Wochenspiegel - 27.01.2016

Service für Senioren: Bald rollt ein Bürgerbus durch Wittlich-Land


Bisher sind 20 Ehrenamtler am Start / Wird der Bürgerbus gut genutzt, gibt es vielleicht ein zweites Fahrzeug

Zurzeit fahren 39 Bürgerbusse in Rheinland-Pfalz. Der Bürgerbus von Wittlich-Land könnte Nummer 40 werden: 20 Menschen haben sich auf einen Aufruf der Verbandsgemeinde gemeldet. Vergangene Woche trafen sie sich erstmals und zurrten die Modalitäten fest.

WITTLICH-LAND. Das Leben in ländlichen Regionen hat unbestritten idyllische Seiten. Kehrseite der Medaille ist ebenso umstritten der mangelhafte öffentliche Personennahverkehr ÖPNV. Dem trägt die Initiative für Bürgerbusse Rechnung, die mit informeller und monetärer Hilfe des Landes Rheinland-Pfalz auf großes Interesse stößt.

Rufbus für Wittlich-Land
Auch in Wittlich-Land ist das Projekt angestoßen. Der WochenSpiegel fragte Pressesprecher Herbert Billen: 20 Freiwillige stehen in den Startlöchern. Sie haben konkrete Vorstellungen. Die einen möchten den Bus fahren, die anderen Einsatzpläne koordinieren, wieder andere sich um die Wartung des Fahrzeugs kümmern. In manchen Gemeinden fahren die Bürgerbusse auf festen Linien. Wittlich-Land hat sich für einen Rufbus entschieden: Wer Bedarf hat, zum Arzt, an den Bahnhof, zum Großeinkauf zu fahren, meldet sich beim Telefonteam. Das stellt die jeweils benötigte Route zusammen. Für den Anfang soll das Fahrzeug an drei Tagen pro Woche rollen.

"Wir haben einen Neun-Sitzer-Kleinbus für drei Jahre geleast", berichtet Billen. Die Firmen RBB Wallscheid und Karl-Heinz Ruppert Esch übernehmen die Leasingraten. Grundsätzlich soll der Bürgerbus Menschen jenseits der 65 und mobil eingeschränkten Personen zur Verfügung stehen.

Fahrten sind kostenfrei
Auch zum Transport von Flüchtlingen zu ihren Sprachkursen soll er genutzt werden. Die Fahrten sind für die Nutzer kostenfrei, Spenden sind willkommen.

Zumindest in diesem Stadium der Planung sind Fahrten von Jugendlichen, die beispielsweise zu späten Unterrichtsstunden keine ÖPNV-Anbindung mehr vorfinden, nicht vorgesehen. Bei einem ersten Treffen vor wenigen Tagen lernten die Helfer sich kennen, die sich allesamt als Ehrenamtler für die Initiative interessieren. Sie lauschten dem Erfahrungsbericht aus Langenlonsheim, wo der erste rheinland-pfälzische Bürgebus sich längst zum Erfolgsmodell entwickelt hat. 

Helfer sind versichert
Im Haushalt von Wittlich-Land sind 4.500 Euro für den Bürgerbus vorgesehen. Zudem zahlt Mainz eine einmalige Organisationspauschale von 8.500 Euro. Hinzu kommt die kostenfreie Beratung durch das nexus-Institut als Projektbeteuer. "Als Ehrenamtler sind die Helfer gesetzlich unfallversichert; darüber hinaus ist noch eine besondere Kfz-Unfallversicherung abgeschlossen", erklärt Billen.

Die Kosten für Leasing, Kraftstoff, Versicherung u.a. beziffert die VG-Verwaltungauf 8.000 Euro im Jahr. Sie kalkuliert mit 1.000 Euro Einnahmen. Wenn das Projekt gut ankommt, wird vielleicht ein zweites Fahrzeug angeschafft.

Die Verbandsgmeinde ist immerhin 400 Quadratkilometer groß, umfasst 44 Orte plus Manderscheid und kann unmöglich komplett an einem einzigen Tag bedient werden. Hier leben knapp 300.000 Einwohner, von denen 5.775 älter sind als 64 Jahre.

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