Trierischer Volksfreund - 25.09.2015

Es fährt ein Bus nach nirgendwo

(Minderlittgen) 37 Verbandsgemeinden in Rheinland-Pfalz setzen auf den Bürgerbus. Dieser ist ein Plan, um ältere Menschen auf Dörfern zum Arzt oder Einkaufen zu bringen. Auch in Wittlich-Land denken die Ratsmitglieder darüber nach. Einige erwarten eine Mammutaufgabe.

Minderlittgen. Die 77-jährige Frau, die mehrfach in der Woche mit dem Rollator die Hauptstraße ihres Dorfes hinauflief, geht Holger Jansen nicht aus dem Kopf. Er kümmert sich um die Bürgerbusse in Rheinland-Pfalz und sprach darüber am Donnerstagabend in einem Vortrag vor den Ratsmitgliedern der Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Dort überlegen die Politiker, ob es nicht sinnvoll ist, einen Bus einzusetzen, den ehrenamtliche Helfer steuern. Um Rentner zum Arzt zu fahren. Oder in den nächsten Supermarkt. Jansen warb für die Idee mit einer Powerpoint-Präsentation, besonders aber mit der Geschichte von der alten Frau. Er sagte: "Als wir sie das erste Mal gefahren haben, war sie ganz erstaunt und sagte: ,Dass ich das noch erleben darf.’ Davon war ich wirklich gerührt." Momente, wie sie Verbandsgemeindebürgermeister Dennis Junk (CDU) auch in Wittlich-Land bald erleben möchte. Er sagte: "Für ältere Menschen wird es schwieriger, zum Arzt zu kommen. Es gibt nur noch neun Hausärzte in sechs Standorten." Junk unterstützt den Bürgerbus. "Wir wollen ein Stück mehr Lebensqualität und Freiheit in die Dörfer zurückbringen."
Ein erster Plan, so verdeutlichte es die Sitzung: Die Verbandsgemeinde könnte einen Kleinbus bereitstellen. Diesen nutzen dann besonders ältere Menschen, die nicht mobil sind, um sich medizinisch versorgen zu lassen oder Einkäufe zu erledigen. Eine Entscheidung traf der Rat noch nicht, die Fraktionen sollen sich noch einmal beraten. Doch die meisten Ratsmitglieder sprachen sich für den Bus aus. Wie Georg Fritzsche (CDU). Er sagte: "In den Zonenrandgebieten fragen die Menschen schon oft, wann ein Nachbar fährt, damit sie in die Stadt können. Wir sollten in die Gänge kommen." Das fand auch Günter Theis (Grüne), der aber zu bedenken gab, dass Wittlich-Land alleine aus 44 Ortsgemeinden und der Stadt Manderscheid bestehe. "Vom Norden bis zum Süden reden wir von einer Fahrtstrecke von 50 Kilometern. Ob ein Bus dann reicht, wird man sehen."
Wo ein Bus gefragt sei, müsste sich erst ergeben, befand Dennis Junk. Und antwortete so auf die Kritik von Alois Meyer (FWG). Der Ortsbürgermeister von Klausen befürchtet, dass Einwohner künftig nicht mehr im Dorfladen, sondern beim großen Discounter in Wittlich kaufen, wenn sie dorthin gefahren werden. Mehr Gedanken machte sich Angelika Brost (SPD), ob man in der Verbandsgemeinde genug Ehrenamtliche finde, die die Anrufe entgegennehmen, Fahrpläne koordinieren, den Bus steuern. Jansen antwortete, dass es an Freiwilligen noch in keinem Kreis gefehlt habe. "Die Bereitschaft zu helfen war immer hoch."

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