Schutz gegen Rückstau aus dem Abwassernetz

"Die Feuerwehr muss die Keller leerpumpen" oder ähnliche Sätze findet man in letzter Zeit immer häufiger in Zeitungsberichten über Wolkenbrüche oder die Folgen heftiger Gewitterregen in besiedelten Gebieten. Keller und andere tiefliegende Räume werden überflutet, weil manches Haus noch immer nicht genügend gegen Kanalrückstau gesichert ist.

Hierdurch entstehen dem Hauseigentümer oft sehr große Schäden. Dabei kann er sie vermeiden, wenn er sein Haus entsprechend den heutigen technischen Möglichkeiten und den geltenden Vorschriften gesichert hat. Zudem ist er nach geltendem Recht für alle Schäden haftbar, die auf dem Fehlen dieser Sicherungen beruhen. Die entsprechenden Bestimmungen finden sich im § 11 der Allgemeinen Entwässerungssatzung der Verbandsgemeinde Wittlich-Land vom 23.05.2019, gültig ab 01.07.2019 und in den Vorschriften DIN 1986 - Grundstücksentwässerungsanlagen. Auch der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil entschieden, dass die Kommunen von der Haftung bei Schäden durch Rückstau im Abwassernetz befreit sind, wenn der Grundstückseigentümer keine geeigneten Maßnahmen getroffen hat.

Das Kanalnetz der Verbandsgemeinde kann nicht darauf ausgerichtet werden, dass es jeden Starkregen oder Wolkenbruch sofort ableiten kann. Die Rohre der Kanalisation würden sonst so groß und so teuer werden, dass die Bürger, die sie ja über Abwassergebühren mit bezahlen müssen, unvertretbar belastet würden. Deshalb muss bei solchen starken Regen eine kurzzeitige Überlastung des Entwässerungsnetzes und damit ein Rückstau im Kanal in Kauf genommen werden. Dabei kann das Wasser des Kanals aus den tiefer gelegenen Ablaufstellen (Gully, Ausgüsse, Waschmaschinenanschlüsse etc.) austreten, falls diese Ablaufstellen nicht vorschriftsmäßig gesichert sind. Auch wenn es bisher noch niemals zu einem Rückstau kam, kann nicht darauf vertraut werden, dass ein solcher - etwa infolge einer unvorhersehbaren, kurzfristigen Kanalverstopfung - für alle Zukunft ausbleibt.

Die Hauseigentümer sind daher in eigener Verantwortung verpflichtet, alle tiefliegenden Ablaufstellen, vor allem im Keller, mit Rückstauvorrichtungen zu versehen. Alle Räume oder Hofflächen unter der "Rückstauebene" müssen gesichert sein. Rückstauebene ist die jeweilige Straßenoberkante.

Auszug aus der DIN 1986, Teil 1 - Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke:

Ablaufstellen, die unterhalb der Rückstauebene liegen, sollten nach DIN 1986, Teil 1, gegen Rückstau geschützt werden. Die Rückstauebene ist die Höhe der Straßenoberkante an der Anschlussstelle.

Schmutzwasser, das unterhalb der Rückstauebene und der öffentlichen Kanalisation anfällt, muss über eine Hebeanlage entsorgt werden.

Bei Schmutzwasser unterscheidet man zwischen fäkalienfreiem und fäkalienhaltigem Abwasser (einschließlich Anteile aus Urinal- und Klosettanlagen).

Schmutzwasser, das unterhalb der Rückstauebene anfällt, jedoch im natürlichen Gefälle der öffentlichen Kanalisation zugeführt werden kann, ist mittels Hebeanlage oder, unter Beachtung der Festlegung in DIN 1986, Teil 1, Abschnitt 7, über Rückstauverschlüsse nach DIN abzuführen. Für Räume in Bereichen mit untergeordneter Nutzung kann

a) fäkalienhaltiges Abwasser über Rückstauverschlüsse nach DIN 19578 abgeleitet werden, oder

b) fäkalienfreies Abwasser ohne Anteile aus Urinalen oder Klosettanlagen über Rückstauverschlüsse nach DIN 1997 abgeleitet werden, wenn bei Rückstau auf die Nutzung der Ablaufstellen verzichtet werden kann.

Rückstauverschlüsse

Rückstauverschlüsse nach DIN 1997 und DIN 19578 sind einsetzbar, wenn:

keine kontinuierliche Abwasserentsorgung erforderlich ist (wie z. B. nach Abscheideranlagen)

der Benutzerkreis der Anlage klein ist (wie z. B. bei Einfamilienhäusern) und ihm ein WC oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung steht

keine größere Regenfläche über sie abgeführt werden muss und bei der Entwässerung kleinerer Flächen von Kellerniedergängen, Garageneinfahrten und dergleichen, durch geeignete Maßnahmen (z. B. Schwellen o. ä.) eine Überflutung der tiefergelegenen Räume durch Regenwasser verhindert wird.

Rückstauverschlüsse müssen nach DIN 1997 bzw. 19578 ein Prüfzeichen haben.

Wartung

Wie jede technische Anlage muss auch die Entwässerungsanlage mit ihren Schutzvorrichtungen regelmäßig und sorgfältig gewartet und gereinigt werden. Nach DIN 1986 zweimal pro Jahr. Nur so kann eine dauerhafte Funktionstüchtigkeit gewährleistet werden. Die Fachfirmen des Installateurhandwerkes beraten Sie ausführlich.

Drainagen

Drainagen um ein Kellergeschoss dürfen grundsätzlich, gemäß der Allgemeinen Entwässerungssatzung, nicht an einen Schmutz- oder Mischwasserkanal angeschlossen werden.

Bitte nehmen Sie diese Anregungen in Ihrem eigenen Interesse sehr ernst. Nur bei ihrer Beachtung ist ein sicherer Schutz Ihres Eigentums gegen Abwasserüberschwemmungen gewährleistet. Bei speziellen Fragen zur Rückstausicherung Ihres Anwesens wenden Sie sich bitte an Ihren Fachbetrieb für sanitäre Anlagen und Installationen.



Wittlich, den 23.07.2019
Verbandsgemeindewerke Wittlich-Land
Annegret Heinz, Werkleiterin

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